Ziel des Seminars ist es, eine eigene Science-Fiction-Kurzgeschichte zu verfassen, welche als Abschlussarbeit gewertet und benotet wird.
Der Prozess des Schreibens soll dabei von null an bis zur fertigen Geschichte begleitet werden.
Das Schreiben von Grund auf zu lernen und einzuüben ist aufgrund der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit natürlich nicht möglich, weswegen ich bei der Konzeption gezwungen bin, eine Auswahl zu treffen und Schwerpunkte zu setzen.
Eine naheliegende Priorisierung ist es, sich besonders mit den Aspekten zu beschäftigen, die ich als Lektor und Mentor am häufigsten schiefgehen sehe. Dabei soll von Anfang an klar werden, dass der kreative Prozess von Künstlern zwar gerne von außen chaotisch und irrational aussehen mag, die Arbeit jedoch ebenfalls als Abfolge logischer und aufeinanderfolgender Schritte betrachtet werden kann.
Mir ist es wichtig, immer wieder deutlich zu machen, dass es zum Verständnis dieser Inhalte keines Druidenwissen bedarf und auch keiner geheimen Initiation im Tempel der Muse.
- Es beginnt immer mit einer Idee oder einer Inspiration, die am Anfang allen Schreibens steht.
- Es folgt ein Sammeln von Motiven und Gesprächsfragmenten, die möglicherweise einen Platz in der Geschichte bekommen.
- Das Verständnis für die Grundstruktur einer Kurzgeschichte erlaubt es, Thema und Aussage zu formulieren.
- Daraus ergibt sich das Setting und die Handlung.
- An dieser Stelle können Motive in Form von Exposition und Dialogen in den Rahmen eingefügt werden, bevor das Ganze zu einem Gesamtwerk zusammengebaut wird.
Wichtig ist zu verstehen, dass die Art, wie wir uns Geschichten erzählen, seit Hunderttausenden von Jahren gleich ist. Deswegen ist es möglich, Regeln zu formulieren.
Disclaimer: Jede dieser Regel wird von mir im Seminar im Brustton der Überzeugung vorgetragen und mit dem Anspruch, dass sie uneingeschränkt und für alle Zeiten gültig ist.
Das ist natürlich Unsinn.
Wir werden im Seminar immer wieder sehen, dass es AutorInnen gibt, die genial und berühmt geworden sind, obwohl sie sich überhaupt nicht für irgendwelche Regeln interessieren.
Der Punkt ist also nicht, die letzte Wahrheit zu finden.
Die Idee des Seminars ist es, praktische Anleitungen zu vermitteln, welche dazu führen, dass die Geschichte, welche entsteht, in jedem Fall funktionieren wird. Ob sie deswegen etwas zu sagen hat, revolutionär ist, oder erinnert werden wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Mein Anspruch ist, dass, wenn AutorInnen, die im Seminar vermittelten Erkenntnisse beherzigen, dann wird die Geschichte zumindest nicht vollkommen schiefgehen. Das wäre meines Erachtens nach schon echt gut.
Disclaimer: Meine Erkenntnisse, Einsichten und Empfehlungen haben keinen Anspruch auf wissenschaftliche Gültigkeit. Sie entspringen einzig und allein meinen praktischen Erfahrungen. Mit anderen Worten: Ich vermittele nichts, was von der Literaturwissenschaft abgesegnet ist, sondern nur das, was in der Praxis funktioniert. Das wird unweigerlich dazu führen, dass Definitionen und Regeln in eher grellen Primärfarben und breiten Pinseln aufgetragen werden. Es wird auch dazu führen das Dr. Tillmann und ich mitten im Seminar anfangen zu diskutieren, weil er meine stark vereinfachten Definitionen so nicht stehen lassen kann. Da meine Zielgruppe jedoch hochgebildete und intelligente StudentInnen sind, gehe ich davon aus, dass alles, was ich vermitteln werde, sowieso kritisch hinterfragt werden wird.
Mit anderen Worten: Glaubt nichts von dem, was ich sage, nur weil ich es sage. Akademische Titel und Literaturpreise führen gerne dazu, dass Leute sich für Koniferen auf ihrem Gebiet halten, auch wenn sie in Wirklichkeit nicht mal ihre Fremdwörter im Griff haben.
Die Regeln sollen Euch möglichst simple praktische Wegweiser sein. Etwas, das einfach genug ist, dass ihr euch auch noch in zwanzig Jahren daran erinnert. „Hey, der Sven hat gesagt wir machen das immer so und so.“ Und weil Ihr bis dahin erfolgreiche AutorInnen seid, könnt Ihr lächeln, denn Ihr macht es schon längst anders. Aber … Ihr wisst warum!
Die Strukturen, die Ihr lernt, sollen Euch etwas erleichtern, was viele Autoren ins Scheitern treibt: Orientierung. Ich möchte, dass ihr am Ende des Seminars in der Lage seid, vom ersten Gedanken bis zum Einreichen der Geschichte immer ganz genau zu wissen, was der nächste Schritt ist. Das klingt banal, ist aber mega wichtig. Denn wer weiß, was der nächste Schritt ist, geht nicht in seinem Plot verloren. Das ist ein schockierend häufiges Problem bei AutorInnen. Im eigenen Plot verloren zu gehen. Überfordert, überwältigt und verwirrt sein, und dann … den Stift fallen lassen.
Nehmt alles mit, was ich Euch als Wahrheiten verkaufe. Testet alles, was ihr im Seminar von mir hört, in der Realität auf Anwendbarkeit. Im Zweifelsfall haltet Euch an Bruce Lee:
“Adapt what is useful, reject what is useless, and add what is specifically your own.”