Phantastische Schreibwerkstatt

The first draft of anything is shit.” (Ernest Hemingway)

18 – Wörtliche Rede

Die Wörtliche Rede unterliegt einigen Gesetzmäßigkeiten, die ich hier gerne zusammenfassen möchte. Der folgende Text stammt von meiner wundervollen Lektorin Helga Sadowski, deren harscher Ton immer lieb gemeint ist.

Die Anrede:

du/dich/deine/dir, werden grundsätzlich kleingeschrieben!

Ausnahme: Wir zitieren einen Brief.

Die Anrede:

Sie/Ihr/Euer/Euch/Eure, wird großschreiben.

Achtung: Das gilt nur, wenn jemand in der wörtlichen Rede direkt angesprochen wird!

Z.B. „Wenn ihr alle mitwollt, dann los!“

„Weiß einer, wie sie aussah?“

Hier muss es kleingeschrieben werden.

Einschübe:

Einschübe dienen unter anderem dazu, anzuzeigen wer gerade spricht.

Beispiel 1: (falsch)

„Mein Fahrrad hat einen platten Reifen!“

„Wie kann das sein?“

„Er hat nicht aufgepasst, wie immer.“

Hier sehen wir gleich, dass es so nicht richtig sein kann. Am Wortlaut können wir zwar erkennen, dass hier mindestens drei Personen im Raum sind. Ansonsten erfahren wir nichts.

Beispiel 2: (richtig)

Hans sagte: „Mein Fahrrad hat einen platten Reifen!“

„Wie kann das sein?“, fragte seine Mutter.

„Er“, meinte sein Vater, „hat bestimmt nicht aufgepasst, wie immer.“

Hier sehen wir ganz deutlich wie viele Personen reden.

Ein Sohn und seine Eltern. Mehr Info braucht man nicht?

Falsch!

Beispiel 3: (noch richtiger)

Hans stürmt aufgeregt mit hochrotem Gesicht ins Wohnzimmer und ruft außer sich: „Mein Fahrrad hat einen platten Reifen.“

Seine Mutter schaut von ihrer Handarbeit auf.

„Wie kann das sein?“, fragt sie und schüttelt den Kopf.

„Er“, meint sein Vater, ohne den Blick von seiner Zeitung zu nehmen, „hat bestimmt wieder nicht aufgepasst.“

Dies ist die Variante für Profis und wird von uns bevorzugt eingesetzt.

Wir bekommen nicht nur aufs Blatt wer spricht, sondern erfahren auch noch etwas über die Situation.

Das heißt, wir können in einer wörtlichen Rede durch gezielt eingesetzte Einschübe Informationen unterbringen, ohne dass wir den Lesefluss des Lesers stören durch eingeschobene Erklärungen.

Beispiel 4: (Infodump falsch)

Hans stürmt aufgeregt ins Wohnzimmer. Sein Vater liest in seiner Zeitung und sieht nicht hoch. Seine Mutter blickt von ihrer Handarbeit auf und schüttelt den Kopf.

Hans sagt: „Mein Fahrrad hat einen platten Reifen!“

„Wie kann das sein?“, fragte seine Mutter.

„Er“, meinte sein Vater, „hat bestimmt nicht aufgepasst, wie immer.“

Wie man hier ganz deutlich sieht, zwar mit Einschüben und doch keineswegs elegant gelöst.

Nun noch einige wichtige Regeln zu Satzzeichen und Absätzen in der wörtlichen Rede.

Beispiel 1: (falsch)

Hans stürmt aufgeregt ins Wohnzimmer und schaut seinen Vater an, der in seiner Zeitung liest. „Papa, mein Reifen ist schon wieder platt.“

Wenn wir diese Variante wählen müssen wir darauf achten, dass der zuletzt genannte immer der ist, der mit dem Reden beginnt. Außerdem fehlt die Absatzmarke.

Beispiel 2: (richtig)

Der Vater sitzt im Wohnzimmer und liest in seiner Zeitung als sein Sohn hereinstürmt.  ABSATZMARKE

„Papa, mein Reifen ist schon wieder platt.“

So ist es richtig Der Sohn wird als letzter genannt und bevor wir ihn reden lassen, setzen wir eine ABSATZMARKE.

Beispiel 3: (falsch)

Hans stürmt ins Wohnzimmer und ruft:

„Mein Reifen ist schon wieder platt!“

Beispiel 4: (richtig)

Hans stürmt ins Wohnzimmer und ruft: „Mein Reifen ist schon wieder platt!“

Immer wenn wir Doppelpunkte in der wörtlichen Rede verwenden wollen dürfen wir dahinter nie eine ABSATZMARKE setzen.

Wohin mit dem Einschub?

Grundsätzlich setzen wir den Einschub so früh wie möglich!

Beispiel 1: (falsch)

„Meine Hosen habe ich im Garten gefunden und das Hemd im Kühlschrank. Weiß jemand, wo ich gestern meine Hausschuhe hingetan habe? Die Unterwäsche hatte ich heute Morgen noch an, als ich wach wurde“, murmelte Fritz mit kaum zu verstehender Stimme.

Wenn wir so einen Satz in ein Buch schreiben, zwingen wir den Leser die wörtliche Rede noch einmal zu lesen. Denn nun weiß sein Kopf-Kino erst wie gesprochen wurde. Passiert so etwas mehrmals, können wir sicher sein, er wird unser Buch nicht weiterempfehlen, und zu Ende lesen wird er es auch nicht.

Beispiel 2: (richtig)

„Weiß jemand“, murmelte Fritz fast unverständlich, „wo ich gestern meine Hausschuhe hingetan habe?“ Er kratzte sich an seinem Wuschelkopf. „Meine Hose habe ich im Garten gefunden und das Hemd im Kühlschrank.“ Er gähnte, ohne sich die Hand vor den Mund zu halten.“ Die Unterwäsche hatte ich heute Morgen noch an, als ich wach wurde.“